Tag 13

Puhhh, das war ein langer Abend bzw. eine kurze Nacht. Alle Team sind total platt und der Platz leert sich nur langsam. Während wir mit dem Team AFK und dem Gallus Racing Team eine fantastische Pizza am Stadtrand von Tallin genießen, macht das Team Mainpiraten bereits Kilometer auf der Landstraße. Nach der Pizza schließen wir uns Ihnen an. Riga wir kommen.

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Unterwegs besuchen wir wohl einen der bizzarsten Orte der ganzen Reise: Ein ehemaliges sowietisches Gefängnis/Arbeitslager. Der Gebäudekomplex ist noch gut erhalten und bietet beste Bedingungen für ein erfrischendes Bad bei bestem Wetter. Die Geschichte hinter diesem Ort ist wirklich interessant, insbesondere der Teil, wie es dazu kam dass das Gefängnis heute ein Badesee ist.

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Es ist unglaublich, dass man tagsüber nicht mal 2h für etwas Entspannung an einem solchen Ort haben kann, ohne dass man dafür gleich wieder bestraft wird, denn wir müssen noch ordentlich Strecke machen, als wir das Gefängnis am frühen Nachmittag wieder verlassen. Irgendwann trennen wir uns wieder, wir fahren mit den Motorrädern einfach einen anderen Rhythmus und müssen häufiger Pausen machen. Immer auf der Jagd nach den anderen Teams fahren wir, was die lettländische STVO hergibt ohne mit einem Führerscheinentzug zu rechnen.

Endlich geschafft! Riga sieht beim Vorbeifahren echt interessant aus! Es gibt da so nen großen Turm, der voll hoch aussieht, man sieht auch ein paar Kirchen (denken wir). Auf einem etwas schmuddeligen Campingplatz erreichen wir die anderen Teams, die bereits bei den Vorbereitungen zum BBQ sind. Netterweise haben sie an die armen Motorradfahrer gedacht und Bier sowie Grillfleisch für uns gekauft. Satt und zufrieden zwingt uns der einsetzendem Regen, mal wieder viel zu spät, ins Bett zu gehen.

Tag 12

Aua, was ist das für ein Schmerz? Aha, das sind unsere Köpfe. Scheinbar war es gestern doch etwas später und der Wodka macht sich nun bemerkbar. Wer feiern kann, kann auch Motorrad fahren und so quälen wir uns aus dem Bett. Die Mainpiraten und das Gallus Racing Team sind schon weg in Richtung Grenze. Mal wieder heißt es Sachen packen und die Motorräder beladen. Unsere erste Station heute ist die Werkstatt. Während der Mechaniker beginnt an Andiehs Maschine zu schrauben, gehen wir in der nahegelegenen Tankstelle frühstücken. Als wir nach einige Minuten zurück kommen, liegen zwei gebrauchte Radlager neben Andiehs Motorrad. Glück gehabt, die Lager waren ebenfalls kurz vor ihrem Lebensende und der Mechaniker hat das erkannt und sie gleich gewechselt. „Is broken. I change. Is ok?“ fragt er uns etwas verunsichert. Aber bei 4,76€ für das Ersatzteil gibt es keine Diskussion. Liegenbleiben wäre teuerer und vorallem viel zeitfressender. Die Rechnung die uns am Ende präsentiert wird, ist für uns, die wir deutsche Preise gewohnt sind, äußerst niedrig.

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Wer schon mal ein richtig schön verschlissenes Ritzel sehen möchte, bei Andiehs war echt nichts mehr zu retten, das musste schleunigst gewechselt werden.

Da es nun schon früher Nachmittag ist, müssen wir schleunigst aus der Stadt raus. Pustekuchen: Die Straßen aus der Stadt raus sind alle überfüllt und so reihen wir uns in den Stau ein. Wieder einmal fällt auf, dass überall außer in Deutschland für Zweiräder Platz gemacht wird, die sich zwischen den Schlangen durchschummeln wollen. Selbst die LKW-Fahrer die so gerne mit 80 km/h durch die Innenstadt knallen, lassen uns passieren. So muss das sein!
Nach wieder einmal vielen Kilometern ohne nennenswerte Kurven, erreichen wir die Grenze zu Estland. An der langen Schlange tuckern wir ganz entspannt vorbei, ohne dass sich jemand beschwert. Wenigstens hier können wir unsere Vorteile als Motorradfahrer etwas ausspielen. Nach den russischen Ausreiseformalitäten (DAS ist noch richtige Bürokratie), sind wir 10 Minuten später schon nach Estland eingereist. Welcome back EU, du hast uns wieder.

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Jetzt heißt es nochmal Strecke machen, da heute Abend das zweite große Wiedersehen mit allen Rallyeteilnehmern stattfindet. Die Aussicht auf die Party in Tallin lässt uns ordentlich am rechten Griff drehen und so kommen wir dem Ziel von Minute zu Minute näher. 30 Kilometer vor Tallin denkt sich Roman, ob man nicht mal in das Roadbock schauen sollte, wo wir überhaupt genau hin müssen. Diesen Gedanken verwirft er aber schnell wieder, weil es gerade so flüssig läuft. Als wir dann endlich Tallin erreichen und im Roadbook nach der Partylocation suchen, trifft uns fast der Schlag. Wir sind elegant gute 50km im Tiefflug an unserem Ziel vorbeigerast. Es hilft nichts, wir müssen umdrehen und zurück. Mit ordentlich Hunger und Frust im Bauch erreichen wir mal wieder relativ spät unser Tagesziel, den Raudsilla Entertainment Complex, der von den 200 Rallyeteams bereits komplett belagert wird. Schnell bauen wir unsere Zelte auf, dann geht es auf die Party. Ein tolles Wiedersehen mit alten und neuen Freunden, viele Geschichten von Grenzübergängen, Zollbeamten und einmaligen Erlebnissen folgen….

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Zu später Stunde am frühen Morgen wird ein Teil des Kommando Heinz Schenk nochmal in geheimer Mission aktiv. Einige Aufkleber unseres Teams finden Ihren Weg auf fremde Rallyefahrzeuge. Wir haben damit nicht angefangen, spielen aber gerne mit, versprochen!

Tag 11

Unserer elfter Rallyetag startet so, wie der zehnte geendet hat. Mit langem Geradeausfahren auf russischen Landstraßen. So richtig gut kommen wir dabei nicht voran, da wir öfters Pause machen müssen. Das eintönige dahintuckern macht uns wirklich fertig, die Gefahr des Einschlafens ist allgegenwärtig. Wenigstens spielt das Wetter mit und wir können bei Sonnenschein und trockener Straße unterwegs sein. Mitlerweile kann man sogar sagen, dass es richtig warm, ja fast sogar heiss wird, wir bewegen uns wieder südwärts.

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Endlich zeichnet sich am Horizont die Stadtgrenze von St. Petersburg ab, Abwechslung rechts und links der Straße und genug zu bestaunen. Bevor wir in das bereits gebuchte Hostel fahren, schauen wir erstmal in einer Motorradwerkstatt vorbei. Die Kette von Andiehs Maschine ist fertig und muss unbedingt gewechselt werden, wenn wir keinen Kettenriss riskieren wollen. Das würde dann, Murphys Law folgend, genau am Samstagabend mitten im Nirgendwo passieren. Roman will nochmal das Vorderrad seiner Maschine auswuchten lassen, da es etwas unruhig läuft, was während der Fahrt recht nervig ist.

Die Werkstatt, die Roman mit seinem Smartphone rausgesucht hat, entpuppt sich als sehr „Roller-lastig“. Aber die Jungs sind sehr nett und machen einen guten Eindruck. Die Lager für Vorder- und Hinterrad, die wir auf jeden Fall als Ersatzteil mitnehmen wollen, kosten umgerechnet unschlagbare 4,76€ pro Stück und sind auf Lager: GEKAUFT! Die Grobstollenreifen mit Spikes sehen richtig scharf aus, aber zum Glück sind Sie in keiner passende Größe vorhanden, sonst hätten wir plötzlich ein Gepäckproblem gehabt,

Das Kettenkit ist schon etwas komplizierter. Da man sich auf Roller spezialisiert hat, ist hier sowas nicht vorrätig. Einige Minuten telefonieren drei Mitarbeiter des Geschäfts mit anderen Werkstätten in St. Petersburg bis die Situation klar ist. Die Kette ist im Geschäft A vorrätig, das Kettenblatt im Geschäft B und das Ritzel im Geschäft C. Da der Tag nun schon deutlich fortgeschrittener ist, bieten uns die Jungs an, dass Sie die Teile bei den Geschäften einsammeln und am nächsten Tag um 11 Uhr Andiehs Motorrad wieder fit machen.

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Endlich am Hostel angekommen laufen uns auch gleich die ersten bekannten Gesichter (Die Disco Dolly Birds und das Gallus Racing Team) über den Weg. Schnell das Hostel beziehen (ein Zimmer für zwei Personen ist mit einem Stockbett eingerichtet und gerade mal 2,5m x 2m groß) und die Motorräder auf einem bewachten Parkplatz abstellen, um dann endlich eine heiße Dusche zu genießen. Um erst gar keine Entspannung aufkommen zu lassen, müssen wir uns sputen. Die anderen Teams warten schon in einem georgischen Restaurant auf uns. Nach einem fantastischen Essen und ein paar Runden Wodka wechseln wir die Location und finden uns in einer russischen Shisha-Bar wieder. Hier lassen wir den Abend bei ein paar Runden Ausklingen, morgen können wir ja Dank des Werkstatttermins etwas länger schlafen.

Tag 10

In diesem Teil Russlands gibts nicht viel. Unser Ziel St. Petersburg liegt ca. 1000km weiter südlich und die Strecke müssen wir heute abreißen. Zwar nicht komplett, aber je mehr wir schaffen, um so früher sind wir morgen in der 2. größten Stadt des Landes. Also steht heute ballern auf dem Programm. Die Straße geht nur gerade aus, die Hölle für uns auf dem Motorrad. Der Reifen ist von der bisherigen Tour ohnehin schon eckig wie Sau,  und immer nur zum tanken anhalten wird hier auch Problem, das Tankstellennetz ist sehr dünn. Handyempfang gibt es keinen. Andiehs Kette müssen wir zum 3. Mal spannen. Das hört sich nicht gut an, da muss eine neue her. In St. Petersburg müssen wir wohl so was finden…

Wir hätten nie gedacht, dass man auf dem Motorrad einschlafen kann. Es geht. Roman fährt vor und zieht auf einmal nach rechts. Er wacht im Kiesbett neben der Straße wieder auf und macht ne Vollbremsung. Zum Glück nichts passiert, aber wir machen erst Mal eine Pause mit viel Kaffee und Red Bull. Das Adrenalin hilft auch gegen die Müdigkeit.

Über 800km ziehen wir an diesem Tag ab. Völlig erschöpft erreichen wir die anderen, die auf der Suche nach einem Pennplatz von der Dorfjugend verjagt wurden. In Petrosavoz nehmen wir ein Hostel für ne schmale Mark. Stilecht trinken wir Vodka und essen Gurken in der Russenhocke vor dem Hostel.

Tag 9

Die Hälfte ist rum, langsam müssen wir uns nach unten orientieren. Russland ist das Ziel an Tag 9 unserer Reise. Vor der Grenze zwischen Norwegen und Russland machen wir noch ein letztes gemeinsames Foto, bevor Roman und ich uns wie gewohnt an der langen Schlange vorbei mogeln. Und dann gehts los. Vor der Grenze zu Russland stehen schon viele Teams, deren Fahrzeuge von den Zöllern sehr genau untersucht werden. Für beide Seiten sichlich kein Spaß. Fast 3 Stunden benötigen wir für die Durchfahrt. Obwohl Lebensmittel eigentlich verboten sind, werden meine 2 Dosen ekelfisch auf dem Koffer nicht entdeckt. Nur meine Analogkamera interessiert den Zöllnern sehr. Ein Foto will er damit nicht schießen.

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Russland ist krass, egal wie man es dreht und wendet. Bisher war alles wie Deutschland. Die Tanken, es gab die selben Sachen. Englisch kann auch jeder. Aber jetzt. Erst mal 50 km über fieseste Schotterpiste, dann liegt hinter einer Kurve die erste russische Stadt. Rechts erhebt sich ein völlig abgerodeter Hang mit Schwerindustrie, links die Plattenbauten aus Sovietzeiten. Das müssen wir uns anschauen. Schon die Suche nach einem Geldautomaten ist das reinste Abenteuer. Fälschlicherweise nehme ich den falschen Wechselkurs an und will ca. Tausend Euro abheben. Zum Glück gehts nicht! Die Straßenschluchten wurden seit dem Bau in den 70igern nicht mehr saniert und die Karren, die überall rumstehen sind in etwa auch so alt.
Der Supermarkt hat als Symbol Hammer und Sichel, die Auswahl an Waren erinnert auch an vergangene Tage. Eine persönliche Assistentin will uns zu den Süßigkeiten lotzen, aber wir kaufen andere Köstlichkeiten und Gurken. Kippen kosten unschlagbare 1,15€. Ein Traum.

An der nächsten Tanke gibts den Sprit für ca. 50 cent, die Verständigung gelingt mit Händen und Füßen, na das wird ja noch ein Spaß! Mittlerweile sind die anderen auch durch die Grenze und wir machen uns weiter nach Murmansk. Hier müssen wir noch ein Foto eines atomarbetriebenen Eisbrechers machen. Die Stadt ist riesig und bei leichtem Regen echt noch ne Portion hässlicher als die eben besuchte Stadt. Leider haben wir nur wenig Zeit, gerne wäre ich nich rein in die Stadt. Stattdessen gehts schnell wieder raus. Es wird immer kälter, also bauen wir unsere Zelte nicht weit von der Straße auf einer großen Wiese auf. Zum Essen gibt es Mufflon aus der Dose.

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Tag 8

Die Nacht ist kurz, als ich um 9 Uhr von Romans Anruf geweckt werde. Schon um acht ist er mit ausgebautem Hinterrad zur nächsten Tanke gemeinsam mit Christoph gefahren. Team Highend aus Sachsen ist bereits mit ihrem Crafter unterwegs und will gleich die Transe auf die Ladefläche verfrachten und abschleppen. Ihr Mercedes ist leider in Schweden verreckt (Loch im Kolben) und sie sind seitdem mit diesem Gefährt unterwegs. Geile Typen! Also wieder mal Stress und schnell alles zusammenpacken und die kurvigen Straßen runterdonnern, ist ja zum Glück keiner außer mir auf der Straße!

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Da das passende Ersatzteil nicht zu finden ist (es ist natürlich Samstag!), will Roman seine ADAC Mitgliedschaft nutzen. Jedoch soll die 100km lange Fahrt in die nächste große Stadt satte 800 Euronen kosten; und der ADAC übernimmt davon lediglich 300€. Natürlich liegt Alta nicht auf unserer Strecke, also muss ich die neuen Radlager in einer rasanten Turbofahrt mit meinem Motorrad übernehmen. Der Laden wartet extra auf uns, also nehme ich das mit dem Geschwindigkeitslimit nicht so genau und gebe Stoff. Kurze Kippe und Kaffee und schwupps sind 200 extra km auf meiner Uhr.

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Als ich zurück komme, sind die anderen Teams schon weiter, doch bald erscheinen die wahren Helden der Rallye am Horizont. Die Boys aus Bayer mit ihrem Werkstattwogan, die seit dem Start in Hamburg das Feld von hinten aufräumen und liegen gebliebene Teams wieder auf die Strecke bringen. Das ist wahrer Einsatz! Auf der Tanke wird fachmännisch das Radlager gewechselt, Roman ist wieder im Rennen!

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Um 19 Uhr kommen wir erst los. Naja, dann fahren wir eben heute einfach etwas länger, wird ja nicht dunkel. Bei mir ist ohne Nacht sowieso alles verballert. Wir wählen die Strecke einmal quer durch Finnland, wir wollen die Landesflagge natürlich auf unseren Koffer kleben! Auf den Straßen ist keine Menschenseele mehr unterwegs, lediglich ein paar Jungfüchse stehen auf der Straße und wollen mit uns spielen.

Gegen ein Uhr nachts erreichen wir die anderen. Auf uns wartet noch die heutige Challenge. Wir verbrennen noch ein paar Holzklötzchen, die wir seit dem Start in Hamburg mit uns rumfahren. Drei ist dann auch eine gute Zeit zum pennen. Not!

Tag 7

Heute gehts zum nördlichsten Punkt Europas, zum Nordkap. Deshalb gönnen wir uns eine extra Mütze Schlaf, bevor wir losfahren. Auf dem Weg zur Straße steht plötzlich eine Herde Schafe vor uns, die leider zu dämlich ist, zur Seite zu fliehen. Stattdessen rennen sie vor uns weg bis zu einem Weidegitter, vor dem sie panisch stehen bleiben, nur um dann doch noch drüber zu rennen. Dabei brechen sie sich fast die Haxen, doch wir können nichts tun. Ein weiterer Versuch, sie wieder zurück in ihr Gebiet zu drängen schlägt auch fehl. Naja, irgendwann sind sie zumindest auf einer großen Wiese und rennen nicht auf die Hauptstraße.

Als wir dann endlich über die herrliche Küstenstraße donnern, fängt es natürlich wieder an zu regnen, also nix wie rein in unsere Regenklamotten und weiter. Kurz vor Hammerfest merken wir, dass der königliche Eisbärenclub nur bis 17 Uhr geöffnet hat. Wirklich ärgerlich, denn die Verlockung einer lebenslangen Mitgliedschaft in diesem Club (und den zugehörigen Aufklebern!), hätte uns alle einen Umweg von 100km in Kauf nehmen lassen…

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Es wird, mal wieder, immer später, doch langsam biegen wir ab auf die letzte, einsame Straße. Es zieht wie Sau. In der zweiten Kurve bleibt Roman stehen, da sein Motorrad sehr ungesunde Geräusche macht. Das hört sich nicht gut an, an weiterfahren ist nicht zu denken. Wir schieben sein Motorrad auf einen Parkplatz und ich packe seine Tasche noch auf meine drauf und baue mir nen netten Turm. Bei dem Wind nicht die beste Idee, aber wir wollen ein Campingplatz weiter oben aufsuchen, damit wir nachts noch zum Nordkap können. Ab 1 Uhr dürfen wir nämlich vor der Weltkugel posieren und Fotos machen.

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Oben angekommen ist es schon nach 12 Uhr. Die Suche nach einem freien Schlafplatz unterwegs ist wenig erfolgreich, alles ist voll mit diesen verrückten Rallyeteilnehmern… Zu essen gibt es in dem Restaurant auch nichts mehr. Die Stimmung kippt. Kurzerhand packen wir unseren Kocher aus und machen für alle ein paar Dosen Essen warm, wenigstens das ist geklärt. Irgendwann um 3 sind wir auch mit den Fotos fertig und sind alle einfach nur noch durch. Dank dickem Nebel sieht man auch gar nicht mal so gut. Aber ein echter Hesse ist nicht unterzukriegen!

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Auf der Suche nach einem gescheiten Pennplatz landen wir dann wieder bei Romans Motorrad. Es ist mittlerweile halb 5 Uhr morgens, sau kalt und alle sind Mega im Arsch. Das Zelt bauen wir nicht weit der Straße auf. Egal, sind ohnehin nur 2-3 Stunden Schlaf. Morgen früh will sich ein Zweiradmechaniker (und auch Teilnehmer der Rallye) Romans Motorrad anschauen. Die Kommunikation zwischen den Teams ist Bombe.

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Tag 6

Als wir aufstehen, sind die anderen schon weg. Aber wir haben gestern so schön getanzt, da dürfen wir auch ein wenig länger schlafen. Da wir ohne hin auf die Post warten müssen, damit Roman ohne Probleme nach Russland einreisen kann, ist das auch voll ok. Wir machen uns nen leckeren Kaffee und springen unter die Dusche. Leider ist das Wasser kalt und dann versiegt dann vollends. Als einer der letzten Teams starten wir und bekommen den ersehnten Brief.

Natürlich fängt es wieder an zu regnen und wir schlüpfen in unsere orangenen Kondome. Die Lofoten sind der Knaller zum fahren und wir genießen die Kurven. Als wir das erste mal tanken und Pause machen, ist es schon 6 Uhr! Wir haben noch gar keine Strecke gemacht und haben noch ne große Tour vor uns… Zum Glück ist ja immer hell!

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Trotzdem genehmigen wir uns eine leckere Wurst, genießen die regenfreie Zeit und ruhen uns erst mal aus! Die vor uns liegende Strecke wird polizeilich aktuell sehr genau bewacht und mit 80 km/h ist der ganze Spaß wirklich ermüdend. Gefühlt kommen wir immer noch nicht vorran, und es ist weit nach 12, bis wir die anderen finden. Aber es lohnt sich definitiv. Es brennt bereits ein Feuer und die ausgesuchte Stelle ist vom feinsten: Direkt an einem Wasserfall gelegen haben wir genügend Platz zum zelten. Und es gibt Marshmallows!

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Tobi lässt dann noch seine Drohne steigen und macht tolle Aufnahmen. Leider hat ers nicht so mit der Lenkung raus und klatscht das Teil aus locker 5 Metern auf den Boden, fuck! Wieder eine Herausforderung mehr, das Ding wieder ans laufen zu bringen!

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Tag 4/5

Wir wachen mit Regen auf, das macht nur Sinn,  denn bisher läuft alles zu gut. Man kann sagen, wir haben das nächste Level erreicht.  So kommen wir jetzt endlich dazu unsere Regenklamotte auszuprobieren. Da das anziehen jedoch so lange dauert, fahren die Autos schon mal los, während wir uns in die Pelle quetschen. Die Strecke sollte einfach sein, aber natürlich verfahren wir uns… wir sind konstant hinter den anderen, obwohl wir mächtig Gas geben.

Eigentlich steht heute die fisch… challenge an, das Essen einer schwedischen Delikatesse: vergammelter Fisch in der Dose. Während Roman den Fisch im Supermarkt kauft, versuche ich mein Motorrad aufzubocken, was mit den glitschigen Kondomen über den Schuhen keine gute Idee ist. Mir fällt der ganze Hobel um, aber zwei Norweger helfen sofort. Zum glück ist nichts kaputt, aber der Tag ist jetzt schon mehr als gebraucht.

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Trotz Regen kommen wir gut voran und langsam fängt die Strecke an, etwas interessanter für uns zu werden, endlich Kurven! Gerade mal ein paar Tage und wenige tausend Kilometer hat es gedauert, bis wir unsere Motorräder über den Asphalt fliegen lassen können. Aber diese Anreise hat sich mehr als gelohnt und auch der Regen nimmt uns nicht den Spaß am Motorradfahren.

Wir schrauben uns durch tolle kurven immer Höher bergauf. Die Temperatur sinkt merklich und die Strecke verwandelt sich in ein ebenes Plateau. Endlich haben wir den Polarkreis erreicht. Da wir erst sehr spät am Polarkreis ankommen, hat bereits alles geschlossen. Also kein heisser Kaffee. Der Vorteil jedoch ist,  dass wir fast alleine hier oben sind. Niemand hindert uns daran, an der Absperrung vorbei und direkt nebendas Denkmal zu fahren. Ein SCHNELLES Foto, dann müssen wir weiter. Die Autos sind noch ein gutes Stück vor uns, und wir wollen sie noch einholen.

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Leider klappt das nicht so recht, weil die Autoteams sich auf der Suche nach einem geeigneten Lagerplatz immernoch weiter Richtung Norden kämpfen. Letztendlich haben wir es geschafft, bis auf 10 Minuten Fahrtdauer an die Autos heranzukommen. Ein letzter Anruf, und nur noch eine Tunneldurxhfahrt, aber Pustekuchen. Vor dem Tunnel langer Stau und nichts geht mehr. Nächste Durchfahrt erst um 1 Uhr! Dass wir seit 9 Uhr heute morgen unterwegs sind interessiert hier keinen. Kurzerhand schnorren wir uns eine Dose Ravioli bei einem anderen Rallyeteam, das ebenfalls mit uns wartet. Mitten auf der Straße bauen wir unseren Kocher auf, während die Baustellenfahrzeuge sich an uns vorbei quetschen müssen.

Im Stau treffen wir das Team Doppelbock, unsrere alten Bekannten, wieder und besprechen das weitere Vorgehen. Mit der Fähre soll es aus Bodø auf die Lofoten gehen. So sparen wir uns ca. 500km und müssen auch nicht wieder die selbe Strecke runter von der Inselkette. Nachdem der Tunnel wieder offen ist kommen wir zügig voran und warten im Regen auf die Fähre, die natürlich noch über eine Stunde verspätung hat. Die vier Stunden Überfahrt bekommen wir dann endlich etwas Schlaf…

Auf den Lofoten kaufen wir ein, ziehen uns noch zwölf bis achtzehn Kaffee und fahren zum Zeltplatz, auf dem sich heute alle Teams versammeln, um ein rauschendes Fest zu feiern. Nach einer über tausend Kilometer langen Tagesetappe und 28 Stunden auf den Beinen erreichen wir den Platz, der schon sichtlich gefüllt ist. In der Ecke macht sich der Adventure Club Frankfurt breit und präsentiert stolz seine Gefährte. Man schnackt hier und da und der eigentliche Plan, vor der Fete noch ne Mütze Schlaf zu nehmen geht mächtig in die Hose; bis auf Roman, der so tief und fest schläft, dass er fast die ganze Sause verpennt…

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Während sich ein Großteil der Rallyteams drückt, nehmen Albert und Andieh an den Spielen teil und schaffen es in die 2. Runde. Beim Tauziehen ist leider Schluss, trotz couragierter Leistung. Bei großem Lagerfeuer, Kopfgetriebeöl und Apfelwein (der Handkäse hat die Anreise leider nicht überlebt) klingt der Abend aus. Getanzt wird zu den Amigos. Außerdem packen wir für die Disco Dolly Birds noch eine schöne Sammlung ausgewählter Hit-CDs zusammen, um ihnen die nächsten Tage im Auto zu versüßen. Na, das kann ja was werden!

Tag 3

Die Nacht ist mal wieder mega kurz, und alle ziehen eine Schnute, weil die Motorräder so spät aufstehen und nicht fertig werden. Aber nach 6 Stunden  Schlaf  (ja, ein Bierchen nach dem Aufbau abends wird ja wohl noch drin sein) fährt sichs halt nicht so gut. Fahrerwechsel gibts bei uns leider nicht. Wir beeilen uns und anschließend geht es auf die Suche nach einem Kaffee zum Frühstück; wir haben aus den Fehlern gestern gelernt und sind erst mal ohne Frühstück los um schon etwas Strecke zu machen. Nach 140km finden wir was, die Lotsen sind sehr anspruchsvoll, was das richtige Cafe angeht. Wir finden ein schönes, das an einer Stelle sogar freies WiFi hat.

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Für den Rest des Tages trennen wir uns von den Autos. So hoffen wir, etwas entspannter anzukommen. Ohne Kolonne ist die Strecke nicht so ermüdend und wir kommen gut voran. Die Strecke wird auch etwas besser und wir können sogar schon die ersten Kurven fahren (ja, wir könnens noch!).

Als wir die Anderen finden, haben die schon einen sehr schönen Platz am Wasser gefunden. Das ist für uns ein wahrer Segen, den wir sind von der Tour ganz schön geplättet. Schweden ist toll, aber auf Dauer 90km/h sind nicht besonders spannend. Als Challenge für den Tag sollen wir einen Fisch fangen. Trotz zweier Angeln, schaffen es Nico und Albert aber leider nicht, etwas zu fangen. Vielleicht mit nem größeren Köder?

Tobi probiert noch seine Drohne aus und kann damit die ganze Szene einfangen, ein wirklich sehr schöner Platz! Und der Test klappt auch, in den nächsten Tagen wird er hoffentlich ein paar geile Aufnahmen von uns schießen!

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Netterweise gibt es vor Ort nen Grill, das Abendessen ist also gesichert. Lecker Wurst und Steaks mit ein paar Bier, was will man mehr. Da es immer länger hell ist, gehts wieder mal sehr spät ins Bettchen!