Tag 14

Heute steht eine wichtige Entscheidung an. Kaliningrad ja oder nein? Die Mainpiraten sind sich schnell einig, dass sie die russische Enklave umfahren wollen und verlassen uns schon auf dem Campingplatz. Da wir aber noch nicht genug von russischen Grenzformalitäten haben, entscheiden wir uns zusammen mit dem Gallus Racing Team und dem Team AFK das Wagnis auf uns zu nehmen. Bevor wir jedoch nach Kaliningrad einreisen, gilt es Litauen zu durchqueren und uns am Berg der Kreuze zu verewigen. Ein interessanter Ort, über dessen Entstehung es keine eindeutigen Belege gibt. Hier treffen wir auch viele andere Teams wieder, die dieses Ziel ebenfalls anfahren.

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Nachdem jedes Team ein selbst gebasteltes Kreuz hinterlassen hat, um göttlichen Beistand für die restliche Reise zu bekommen, geht es weiter in Richtung russischer Grenze.  Die beiden Autoteams fahren vor, während wir die Pausen ein bisschen ausdehnen. Wir sind uns sicher, sie an der Litauisch/Russischen Grenze wieder einzuholen. Unser Plan geht voll auf. Als wir die Grenze erreichen, sind die beiden Team bereits fast 2h vor Ort, aber haben sich noch nicht sehr weit bewegt. Sie stehen im Niemandsland zwischen Litauen und Russland auf einer Brücke.

 Fast die gesamte Brücke steht voll mit Fahrzeugen mit EU-Kennzeichen, darunter viele Rallyeteams. Wie sich herausstellt, stehen manche Teams bereits seit 5 Stunden bei glühender Sonne in der Schlange und warten. Das alles ohne Toiletten oder die Möglichkeit Getränke usw. zu kaufen. Wir schummeln uns ein bisschen nach vorne und reihen uns dann ebenfalls in die Warteschlange ein. Dabei können wir beobachten, wie immer wieder Fahrzeuge mit russischen Kennzeichen aus der Schlange geholt und bevorzugt abgefertigt werden. Wie unsere russischsprachigen Rallyeteilnehmer mitteilen, will man uns nicht abfertigen, weil „die deutschen die Formulare immer falsch ausfüllen“. Ein anderer Reisender in seinem Wohnmobil versucht bereits seit 4 Tagen mit mehreren Fahrzeugen (WoMo, Motorrad, Anhänger) einzureisen. Dafür, dass er seit 4 Tagen zwischen zwei, knapp 150m auseinander liegenden, Grenzstellen pendelt, hat er noch verdammt gute Laune. Wir hätten es nie gedacht, aber es gibt doch NOCH bürokratischere Länder als Deutschland.

Nach weiteren 1 1/2 h ohne jegliche Bewegung in der Schlange, beschließen wir, das Vorhaben aufzugeben und nach Litauen zurück zu fahren. Gerade uns Motorradfahrern fällt das besonders schwer, hatten wir doch gerade 3 russische Biker kennen gelernt, die uns auf eines der größten Motorradtreffen hingewiesen haben, das an diesem Wochenende in der Nähe von Kaliningrad stattfindet. Dort wären wir sicher eine tolle Attraktion geworden und hätten eine Menge Spaß gehabt. Wir bewundern noch kurz den seit über einem Jahr auf der Brücke stehenden Mini, für den sich keines der beiden Länder zuständig fühlt und der es mitlerweile auch in verschiedenste Reiseführer geschafft hat. Der litauische Grenzer versucht unsere Stimmung aufzuheitern, weil er lustige Wege kennt Russen (die er generell nicht mag) an der Grenze zu Piesacken und aufzuhalten. Seltsamer Humor…

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Die Rückreise nach Litauen sollte sich aber noch lohnen. In einer größeren Stadt namens Mariampole wollten wir etwas essen gehen. Kaum hatten wir die Fahrzeuge auf einem Parkplatz im Zentrum abgestellt wurden wir auch schon von zwei netten Jungs angesprochen. Das ging so schnell, dass erst jeder dachte, es wären Teilnehmer eines anderen Rallyeteams. Die beiden haben uns ein nettes Restaurant gezeigt und wir haben uns beim Essen gut unterhalten. Da es nun wirklich schon sehr spät war und die Nächte wieder stockfinster werden haben wir uns entschlossen, unser Nachlager in einem nur wenige hundert Meter entfernten Hostel aufzuschlagen. Der russische Portier (den wir erst mal wecken mussten), rät uns, alle beweglichen Teile (wie Reservekanister, Kisten,…) von den Fahrzeugen zu entfernen. Na das sind ja tolle Aussichten….  Wider den Warnungen des Portiers ist aber nichts passiert.

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