Tag 15

Heute ist (natürlich) mal wieder frühes Aufstehen angesagt. Das Tagesziel heißt Danzig in Polen. Schnell sind wir aus Litauen raus und genießen die Fahrt auf den polnischen Landstraßen. Von den bisher bereisten Ländern, kann man sagen, dass Polen und Russen die flexibelsten Autofahrer sind. Da werden aus 2 Spuren gerne auch mal 4 oder 5 und auf der Landstraße kann man bei erlaubten 90 km/h auch schon mal 160 km/h fahren, vorausgesetzt das Gefährt gibt das her.

In Danzig wollen wir alle die Fotos für die Roadbook-Challenges ausdrucken. Roman sucht schnell einen Rossmann mit Fotodrucker raus, der verkehrsgünstig gelegen ist, und schon geht es los. An der angebenden Adresse finden wir ein Geschäft, allerdings ist es geschlossen und bis auf die leeren Regale komplett ausgeräumt. Verdammt, wir brauchen einen Alternativplan und wollen gerade schon wieder losfahren, Als Andieh einer vorbeikommenden Passantin unser Problem erklärt und dass wir den nächstgelegenen Rossmann suchen. Sie schaut uns etwas ungläubig an und beantwortet unsere Frage mit einem Fingerzeig um die immerhin gut 3 Meter entfernte Gebäudeecke. Siehe da, in dem Gebäude ist nicht nur ein seit längerem geschlossener Supermarkt, sondern auch ein großer Rossmann zu finden.

Während die anderen Teams bereits fleißig Bilder drucken, müssen wir erst noch ein paar Fotos machen und unsere bisherigen durchstöbern. Wieder einer dieser Nachteile, wenn man keinen Beifahrer hat, der das mal eben zwischendurch erledigen kann. Die Requisiten dafür fahren wir schon seit tausenden Kilometern spazieren. Als die anderen Teams fertig sind, brechen sie bereits auf, da wir noch ein bisschen Zeit brauchen. Mal wieder halten einheimische Motorradfahrer und fragen, ob wir ein Problem haben. Das ist irgendwie das Tolle am Motorradfahren. Man ist viel leichter für Fremde anzusprechen und bekommt immer Hilfe angeboten, auch wenn eigentlich keine nötig ist. Die beiden warnen uns, dass in der Richtung, die wir fahren wollen ein ziemlich heftiges Gewitter aufzieht. Kaum sind die beiden davongefahren, verdunkelt sich der Himmel dramatisch und ein unglaublich heftiger Wind peitscht uns Staub und Straßendreck ins Gesicht. Na, das kann ja was werden. Also, Regenkleidung von Ocean anziehen (dafür haben wir Sie ja) und los geht’s!

Wir sind unseren Autoteams immer auf den Fersen. Als wir nach hören wo wir heute nächtigen, stellt sich heraus, dass sich die Teams getrennt haben. 2 Teams wollen lieber auf einem Campingplatz übernachten, während ein Team Wildcamping bevorzugt. Da wir den Spot zum campen nicht finden können, fahren wir erst mal auf den Campingplatz. Der Campingplatz war einer der spießigsten Plätze, auf denen wir je waren. Wird durften mit unseren Motorrädern nicht zu unserem Platz fahren, sondern nur schieben (Nachtruhe, sie verstehen schon….) während wir die schwer beladenen Maschinen durch die Anlage schoben, saßen mindestens ¾ der Campingplatzgäste im Biergarten und verfolgten laut grölend das Spiel Deutschland – Italien, welches gerade kurz vor Ende der Verlängerung stand. Naja, Fußballjubel ist scheinbar nicht so durchdringend und laut wie V2-Gebluber.

Da wir während der letzten 2 Wochen praktisch nichts von der EM mitbekommen hatten, wollten wir zumindest noch das Ende des Elfmeterschiessen miterleben. Wir schaffen es gerade noch so, uns die letzten 5 Elfmeter anzuschauen. Direkt danach wird der Biergarten von der rabiaten Besitzerin des Campingplatzlokals geräumt. So kommt keine Fußballstimmung auf! Also dann erst mal wieder Zelt aufbauen und Platz herrichten, danach kann man sich ja nochmal eine entspannende Mitternachtsdusche genehmigen. Der nächste Schock, in den Sanitäranlagen läuft 24h ein polnischer 80er Jahre Radiosender. Zu Bonnie Tyler zu duschen und sich bei Joe Cocker zu rasieren eröffnet ganz neue Perspektiven auf die Welt! Zum Tagesabschluss genehmigten wir uns noch ein paar Bier und ergänzten die Einträge in unserem Roadbook.

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