Tag 11

Unserer elfter Rallyetag startet so, wie der zehnte geendet hat. Mit langem Geradeausfahren auf russischen Landstraßen. So richtig gut kommen wir dabei nicht voran, da wir öfters Pause machen müssen. Das eintönige dahintuckern macht uns wirklich fertig, die Gefahr des Einschlafens ist allgegenwärtig. Wenigstens spielt das Wetter mit und wir können bei Sonnenschein und trockener Straße unterwegs sein. Mitlerweile kann man sogar sagen, dass es richtig warm, ja fast sogar heiss wird, wir bewegen uns wieder südwärts.

DCIM100GOPROGOPR0808.

Endlich zeichnet sich am Horizont die Stadtgrenze von St. Petersburg ab, Abwechslung rechts und links der Straße und genug zu bestaunen. Bevor wir in das bereits gebuchte Hostel fahren, schauen wir erstmal in einer Motorradwerkstatt vorbei. Die Kette von Andiehs Maschine ist fertig und muss unbedingt gewechselt werden, wenn wir keinen Kettenriss riskieren wollen. Das würde dann, Murphys Law folgend, genau am Samstagabend mitten im Nirgendwo passieren. Roman will nochmal das Vorderrad seiner Maschine auswuchten lassen, da es etwas unruhig läuft, was während der Fahrt recht nervig ist.

Die Werkstatt, die Roman mit seinem Smartphone rausgesucht hat, entpuppt sich als sehr „Roller-lastig“. Aber die Jungs sind sehr nett und machen einen guten Eindruck. Die Lager für Vorder- und Hinterrad, die wir auf jeden Fall als Ersatzteil mitnehmen wollen, kosten umgerechnet unschlagbare 4,76€ pro Stück und sind auf Lager: GEKAUFT! Die Grobstollenreifen mit Spikes sehen richtig scharf aus, aber zum Glück sind Sie in keiner passende Größe vorhanden, sonst hätten wir plötzlich ein Gepäckproblem gehabt,

Das Kettenkit ist schon etwas komplizierter. Da man sich auf Roller spezialisiert hat, ist hier sowas nicht vorrätig. Einige Minuten telefonieren drei Mitarbeiter des Geschäfts mit anderen Werkstätten in St. Petersburg bis die Situation klar ist. Die Kette ist im Geschäft A vorrätig, das Kettenblatt im Geschäft B und das Ritzel im Geschäft C. Da der Tag nun schon deutlich fortgeschrittener ist, bieten uns die Jungs an, dass Sie die Teile bei den Geschäften einsammeln und am nächsten Tag um 11 Uhr Andiehs Motorrad wieder fit machen.

DCIM100GOPROGOPR0817.

Endlich am Hostel angekommen laufen uns auch gleich die ersten bekannten Gesichter (Die Disco Dolly Birds und das Gallus Racing Team) über den Weg. Schnell das Hostel beziehen (ein Zimmer für zwei Personen ist mit einem Stockbett eingerichtet und gerade mal 2,5m x 2m groß) und die Motorräder auf einem bewachten Parkplatz abstellen, um dann endlich eine heiße Dusche zu genießen. Um erst gar keine Entspannung aufkommen zu lassen, müssen wir uns sputen. Die anderen Teams warten schon in einem georgischen Restaurant auf uns. Nach einem fantastischen Essen und ein paar Runden Wodka wechseln wir die Location und finden uns in einer russischen Shisha-Bar wieder. Hier lassen wir den Abend bei ein paar Runden Ausklingen, morgen können wir ja Dank des Werkstatttermins etwas länger schlafen.

Tag 10

In diesem Teil Russlands gibts nicht viel. Unser Ziel St. Petersburg liegt ca. 1000km weiter südlich und die Strecke müssen wir heute abreißen. Zwar nicht komplett, aber je mehr wir schaffen, um so früher sind wir morgen in der 2. größten Stadt des Landes. Also steht heute ballern auf dem Programm. Die Straße geht nur gerade aus, die Hölle für uns auf dem Motorrad. Der Reifen ist von der bisherigen Tour ohnehin schon eckig wie Sau,  und immer nur zum tanken anhalten wird hier auch Problem, das Tankstellennetz ist sehr dünn. Handyempfang gibt es keinen. Andiehs Kette müssen wir zum 3. Mal spannen. Das hört sich nicht gut an, da muss eine neue her. In St. Petersburg müssen wir wohl so was finden…

Wir hätten nie gedacht, dass man auf dem Motorrad einschlafen kann. Es geht. Roman fährt vor und zieht auf einmal nach rechts. Er wacht im Kiesbett neben der Straße wieder auf und macht ne Vollbremsung. Zum Glück nichts passiert, aber wir machen erst Mal eine Pause mit viel Kaffee und Red Bull. Das Adrenalin hilft auch gegen die Müdigkeit.

Über 800km ziehen wir an diesem Tag ab. Völlig erschöpft erreichen wir die anderen, die auf der Suche nach einem Pennplatz von der Dorfjugend verjagt wurden. In Petrosavoz nehmen wir ein Hostel für ne schmale Mark. Stilecht trinken wir Vodka und essen Gurken in der Russenhocke vor dem Hostel.

Tag 9

Die Hälfte ist rum, langsam müssen wir uns nach unten orientieren. Russland ist das Ziel an Tag 9 unserer Reise. Vor der Grenze zwischen Norwegen und Russland machen wir noch ein letztes gemeinsames Foto, bevor Roman und ich uns wie gewohnt an der langen Schlange vorbei mogeln. Und dann gehts los. Vor der Grenze zu Russland stehen schon viele Teams, deren Fahrzeuge von den Zöllern sehr genau untersucht werden. Für beide Seiten sichlich kein Spaß. Fast 3 Stunden benötigen wir für die Durchfahrt. Obwohl Lebensmittel eigentlich verboten sind, werden meine 2 Dosen ekelfisch auf dem Koffer nicht entdeckt. Nur meine Analogkamera interessiert den Zöllnern sehr. Ein Foto will er damit nicht schießen.

image

Russland ist krass, egal wie man es dreht und wendet. Bisher war alles wie Deutschland. Die Tanken, es gab die selben Sachen. Englisch kann auch jeder. Aber jetzt. Erst mal 50 km über fieseste Schotterpiste, dann liegt hinter einer Kurve die erste russische Stadt. Rechts erhebt sich ein völlig abgerodeter Hang mit Schwerindustrie, links die Plattenbauten aus Sovietzeiten. Das müssen wir uns anschauen. Schon die Suche nach einem Geldautomaten ist das reinste Abenteuer. Fälschlicherweise nehme ich den falschen Wechselkurs an und will ca. Tausend Euro abheben. Zum Glück gehts nicht! Die Straßenschluchten wurden seit dem Bau in den 70igern nicht mehr saniert und die Karren, die überall rumstehen sind in etwa auch so alt.
Der Supermarkt hat als Symbol Hammer und Sichel, die Auswahl an Waren erinnert auch an vergangene Tage. Eine persönliche Assistentin will uns zu den Süßigkeiten lotzen, aber wir kaufen andere Köstlichkeiten und Gurken. Kippen kosten unschlagbare 1,15€. Ein Traum.

An der nächsten Tanke gibts den Sprit für ca. 50 cent, die Verständigung gelingt mit Händen und Füßen, na das wird ja noch ein Spaß! Mittlerweile sind die anderen auch durch die Grenze und wir machen uns weiter nach Murmansk. Hier müssen wir noch ein Foto eines atomarbetriebenen Eisbrechers machen. Die Stadt ist riesig und bei leichtem Regen echt noch ne Portion hässlicher als die eben besuchte Stadt. Leider haben wir nur wenig Zeit, gerne wäre ich nich rein in die Stadt. Stattdessen gehts schnell wieder raus. Es wird immer kälter, also bauen wir unsere Zelte nicht weit von der Straße auf einer großen Wiese auf. Zum Essen gibt es Mufflon aus der Dose.

image

Tag 8

Die Nacht ist kurz, als ich um 9 Uhr von Romans Anruf geweckt werde. Schon um acht ist er mit ausgebautem Hinterrad zur nächsten Tanke gemeinsam mit Christoph gefahren. Team Highend aus Sachsen ist bereits mit ihrem Crafter unterwegs und will gleich die Transe auf die Ladefläche verfrachten und abschleppen. Ihr Mercedes ist leider in Schweden verreckt (Loch im Kolben) und sie sind seitdem mit diesem Gefährt unterwegs. Geile Typen! Also wieder mal Stress und schnell alles zusammenpacken und die kurvigen Straßen runterdonnern, ist ja zum Glück keiner außer mir auf der Straße!

IMG_20160625_112205

Da das passende Ersatzteil nicht zu finden ist (es ist natürlich Samstag!), will Roman seine ADAC Mitgliedschaft nutzen. Jedoch soll die 100km lange Fahrt in die nächste große Stadt satte 800 Euronen kosten; und der ADAC übernimmt davon lediglich 300€. Natürlich liegt Alta nicht auf unserer Strecke, also muss ich die neuen Radlager in einer rasanten Turbofahrt mit meinem Motorrad übernehmen. Der Laden wartet extra auf uns, also nehme ich das mit dem Geschwindigkeitslimit nicht so genau und gebe Stoff. Kurze Kippe und Kaffee und schwupps sind 200 extra km auf meiner Uhr.

DCIM100GOPROGOPR0665.

Als ich zurück komme, sind die anderen Teams schon weiter, doch bald erscheinen die wahren Helden der Rallye am Horizont. Die Boys aus Bayer mit ihrem Werkstattwogan, die seit dem Start in Hamburg das Feld von hinten aufräumen und liegen gebliebene Teams wieder auf die Strecke bringen. Das ist wahrer Einsatz! Auf der Tanke wird fachmännisch das Radlager gewechselt, Roman ist wieder im Rennen!

IMG_20160625_180112

Um 19 Uhr kommen wir erst los. Naja, dann fahren wir eben heute einfach etwas länger, wird ja nicht dunkel. Bei mir ist ohne Nacht sowieso alles verballert. Wir wählen die Strecke einmal quer durch Finnland, wir wollen die Landesflagge natürlich auf unseren Koffer kleben! Auf den Straßen ist keine Menschenseele mehr unterwegs, lediglich ein paar Jungfüchse stehen auf der Straße und wollen mit uns spielen.

Gegen ein Uhr nachts erreichen wir die anderen. Auf uns wartet noch die heutige Challenge. Wir verbrennen noch ein paar Holzklötzchen, die wir seit dem Start in Hamburg mit uns rumfahren. Drei ist dann auch eine gute Zeit zum pennen. Not!

Tag 7

Heute gehts zum nördlichsten Punkt Europas, zum Nordkap. Deshalb gönnen wir uns eine extra Mütze Schlaf, bevor wir losfahren. Auf dem Weg zur Straße steht plötzlich eine Herde Schafe vor uns, die leider zu dämlich ist, zur Seite zu fliehen. Stattdessen rennen sie vor uns weg bis zu einem Weidegitter, vor dem sie panisch stehen bleiben, nur um dann doch noch drüber zu rennen. Dabei brechen sie sich fast die Haxen, doch wir können nichts tun. Ein weiterer Versuch, sie wieder zurück in ihr Gebiet zu drängen schlägt auch fehl. Naja, irgendwann sind sie zumindest auf einer großen Wiese und rennen nicht auf die Hauptstraße.

Als wir dann endlich über die herrliche Küstenstraße donnern, fängt es natürlich wieder an zu regnen, also nix wie rein in unsere Regenklamotten und weiter. Kurz vor Hammerfest merken wir, dass der königliche Eisbärenclub nur bis 17 Uhr geöffnet hat. Wirklich ärgerlich, denn die Verlockung einer lebenslangen Mitgliedschaft in diesem Club (und den zugehörigen Aufklebern!), hätte uns alle einen Umweg von 100km in Kauf nehmen lassen…

image

Es wird, mal wieder, immer später, doch langsam biegen wir ab auf die letzte, einsame Straße. Es zieht wie Sau. In der zweiten Kurve bleibt Roman stehen, da sein Motorrad sehr ungesunde Geräusche macht. Das hört sich nicht gut an, an weiterfahren ist nicht zu denken. Wir schieben sein Motorrad auf einen Parkplatz und ich packe seine Tasche noch auf meine drauf und baue mir nen netten Turm. Bei dem Wind nicht die beste Idee, aber wir wollen ein Campingplatz weiter oben aufsuchen, damit wir nachts noch zum Nordkap können. Ab 1 Uhr dürfen wir nämlich vor der Weltkugel posieren und Fotos machen.

image

Oben angekommen ist es schon nach 12 Uhr. Die Suche nach einem freien Schlafplatz unterwegs ist wenig erfolgreich, alles ist voll mit diesen verrückten Rallyeteilnehmern… Zu essen gibt es in dem Restaurant auch nichts mehr. Die Stimmung kippt. Kurzerhand packen wir unseren Kocher aus und machen für alle ein paar Dosen Essen warm, wenigstens das ist geklärt. Irgendwann um 3 sind wir auch mit den Fotos fertig und sind alle einfach nur noch durch. Dank dickem Nebel sieht man auch gar nicht mal so gut. Aber ein echter Hesse ist nicht unterzukriegen!

image

Auf der Suche nach einem gescheiten Pennplatz landen wir dann wieder bei Romans Motorrad. Es ist mittlerweile halb 5 Uhr morgens, sau kalt und alle sind Mega im Arsch. Das Zelt bauen wir nicht weit der Straße auf. Egal, sind ohnehin nur 2-3 Stunden Schlaf. Morgen früh will sich ein Zweiradmechaniker (und auch Teilnehmer der Rallye) Romans Motorrad anschauen. Die Kommunikation zwischen den Teams ist Bombe.

image

Tag 6

Als wir aufstehen, sind die anderen schon weg. Aber wir haben gestern so schön getanzt, da dürfen wir auch ein wenig länger schlafen. Da wir ohne hin auf die Post warten müssen, damit Roman ohne Probleme nach Russland einreisen kann, ist das auch voll ok. Wir machen uns nen leckeren Kaffee und springen unter die Dusche. Leider ist das Wasser kalt und dann versiegt dann vollends. Als einer der letzten Teams starten wir und bekommen den ersehnten Brief.

Natürlich fängt es wieder an zu regnen und wir schlüpfen in unsere orangenen Kondome. Die Lofoten sind der Knaller zum fahren und wir genießen die Kurven. Als wir das erste mal tanken und Pause machen, ist es schon 6 Uhr! Wir haben noch gar keine Strecke gemacht und haben noch ne große Tour vor uns… Zum Glück ist ja immer hell!

image

Trotzdem genehmigen wir uns eine leckere Wurst, genießen die regenfreie Zeit und ruhen uns erst mal aus! Die vor uns liegende Strecke wird polizeilich aktuell sehr genau bewacht und mit 80 km/h ist der ganze Spaß wirklich ermüdend. Gefühlt kommen wir immer noch nicht vorran, und es ist weit nach 12, bis wir die anderen finden. Aber es lohnt sich definitiv. Es brennt bereits ein Feuer und die ausgesuchte Stelle ist vom feinsten: Direkt an einem Wasserfall gelegen haben wir genügend Platz zum zelten. Und es gibt Marshmallows!

image

Tobi lässt dann noch seine Drohne steigen und macht tolle Aufnahmen. Leider hat ers nicht so mit der Lenkung raus und klatscht das Teil aus locker 5 Metern auf den Boden, fuck! Wieder eine Herausforderung mehr, das Ding wieder ans laufen zu bringen!

image

Tag 4/5

Wir wachen mit Regen auf, das macht nur Sinn,  denn bisher läuft alles zu gut. Man kann sagen, wir haben das nächste Level erreicht.  So kommen wir jetzt endlich dazu unsere Regenklamotte auszuprobieren. Da das anziehen jedoch so lange dauert, fahren die Autos schon mal los, während wir uns in die Pelle quetschen. Die Strecke sollte einfach sein, aber natürlich verfahren wir uns… wir sind konstant hinter den anderen, obwohl wir mächtig Gas geben.

Eigentlich steht heute die fisch… challenge an, das Essen einer schwedischen Delikatesse: vergammelter Fisch in der Dose. Während Roman den Fisch im Supermarkt kauft, versuche ich mein Motorrad aufzubocken, was mit den glitschigen Kondomen über den Schuhen keine gute Idee ist. Mir fällt der ganze Hobel um, aber zwei Norweger helfen sofort. Zum glück ist nichts kaputt, aber der Tag ist jetzt schon mehr als gebraucht.

image

Trotz Regen kommen wir gut voran und langsam fängt die Strecke an, etwas interessanter für uns zu werden, endlich Kurven! Gerade mal ein paar Tage und wenige tausend Kilometer hat es gedauert, bis wir unsere Motorräder über den Asphalt fliegen lassen können. Aber diese Anreise hat sich mehr als gelohnt und auch der Regen nimmt uns nicht den Spaß am Motorradfahren.

Wir schrauben uns durch tolle kurven immer Höher bergauf. Die Temperatur sinkt merklich und die Strecke verwandelt sich in ein ebenes Plateau. Endlich haben wir den Polarkreis erreicht. Da wir erst sehr spät am Polarkreis ankommen, hat bereits alles geschlossen. Also kein heisser Kaffee. Der Vorteil jedoch ist,  dass wir fast alleine hier oben sind. Niemand hindert uns daran, an der Absperrung vorbei und direkt nebendas Denkmal zu fahren. Ein SCHNELLES Foto, dann müssen wir weiter. Die Autos sind noch ein gutes Stück vor uns, und wir wollen sie noch einholen.

image

Leider klappt das nicht so recht, weil die Autoteams sich auf der Suche nach einem geeigneten Lagerplatz immernoch weiter Richtung Norden kämpfen. Letztendlich haben wir es geschafft, bis auf 10 Minuten Fahrtdauer an die Autos heranzukommen. Ein letzter Anruf, und nur noch eine Tunneldurxhfahrt, aber Pustekuchen. Vor dem Tunnel langer Stau und nichts geht mehr. Nächste Durchfahrt erst um 1 Uhr! Dass wir seit 9 Uhr heute morgen unterwegs sind interessiert hier keinen. Kurzerhand schnorren wir uns eine Dose Ravioli bei einem anderen Rallyeteam, das ebenfalls mit uns wartet. Mitten auf der Straße bauen wir unseren Kocher auf, während die Baustellenfahrzeuge sich an uns vorbei quetschen müssen.

Im Stau treffen wir das Team Doppelbock, unsrere alten Bekannten, wieder und besprechen das weitere Vorgehen. Mit der Fähre soll es aus Bodø auf die Lofoten gehen. So sparen wir uns ca. 500km und müssen auch nicht wieder die selbe Strecke runter von der Inselkette. Nachdem der Tunnel wieder offen ist kommen wir zügig voran und warten im Regen auf die Fähre, die natürlich noch über eine Stunde verspätung hat. Die vier Stunden Überfahrt bekommen wir dann endlich etwas Schlaf…

Auf den Lofoten kaufen wir ein, ziehen uns noch zwölf bis achtzehn Kaffee und fahren zum Zeltplatz, auf dem sich heute alle Teams versammeln, um ein rauschendes Fest zu feiern. Nach einer über tausend Kilometer langen Tagesetappe und 28 Stunden auf den Beinen erreichen wir den Platz, der schon sichtlich gefüllt ist. In der Ecke macht sich der Adventure Club Frankfurt breit und präsentiert stolz seine Gefährte. Man schnackt hier und da und der eigentliche Plan, vor der Fete noch ne Mütze Schlaf zu nehmen geht mächtig in die Hose; bis auf Roman, der so tief und fest schläft, dass er fast die ganze Sause verpennt…

image

Während sich ein Großteil der Rallyteams drückt, nehmen Albert und Andieh an den Spielen teil und schaffen es in die 2. Runde. Beim Tauziehen ist leider Schluss, trotz couragierter Leistung. Bei großem Lagerfeuer, Kopfgetriebeöl und Apfelwein (der Handkäse hat die Anreise leider nicht überlebt) klingt der Abend aus. Getanzt wird zu den Amigos. Außerdem packen wir für die Disco Dolly Birds noch eine schöne Sammlung ausgewählter Hit-CDs zusammen, um ihnen die nächsten Tage im Auto zu versüßen. Na, das kann ja was werden!

Tag 3

Die Nacht ist mal wieder mega kurz, und alle ziehen eine Schnute, weil die Motorräder so spät aufstehen und nicht fertig werden. Aber nach 6 Stunden  Schlaf  (ja, ein Bierchen nach dem Aufbau abends wird ja wohl noch drin sein) fährt sichs halt nicht so gut. Fahrerwechsel gibts bei uns leider nicht. Wir beeilen uns und anschließend geht es auf die Suche nach einem Kaffee zum Frühstück; wir haben aus den Fehlern gestern gelernt und sind erst mal ohne Frühstück los um schon etwas Strecke zu machen. Nach 140km finden wir was, die Lotsen sind sehr anspruchsvoll, was das richtige Cafe angeht. Wir finden ein schönes, das an einer Stelle sogar freies WiFi hat.

image

Für den Rest des Tages trennen wir uns von den Autos. So hoffen wir, etwas entspannter anzukommen. Ohne Kolonne ist die Strecke nicht so ermüdend und wir kommen gut voran. Die Strecke wird auch etwas besser und wir können sogar schon die ersten Kurven fahren (ja, wir könnens noch!).

Als wir die Anderen finden, haben die schon einen sehr schönen Platz am Wasser gefunden. Das ist für uns ein wahrer Segen, den wir sind von der Tour ganz schön geplättet. Schweden ist toll, aber auf Dauer 90km/h sind nicht besonders spannend. Als Challenge für den Tag sollen wir einen Fisch fangen. Trotz zweier Angeln, schaffen es Nico und Albert aber leider nicht, etwas zu fangen. Vielleicht mit nem größeren Köder?

Tobi probiert noch seine Drohne aus und kann damit die ganze Szene einfangen, ein wirklich sehr schöner Platz! Und der Test klappt auch, in den nächsten Tagen wird er hoffentlich ein paar geile Aufnahmen von uns schießen!

image

Netterweise gibt es vor Ort nen Grill, das Abendessen ist also gesichert. Lecker Wurst und Steaks mit ein paar Bier, was will man mehr. Da es immer länger hell ist, gehts wieder mal sehr spät ins Bettchen!

Tag 2

Die erste Nacht ist immer die schlimmste. Morgens sind wir wie gerädert (haha), und das zusammenpacken dauert länger als gedacht. Es gibt noch Kaffee, das letzte Mal, denn es dauert einfach zu lange. Heute steht wieder viel auf dem Plan: Um eine gute Reise zu haben, mussten wir ein altes Ritual durchführen. Ein Steinkreis, ähnlich dem Steinkreis in Stonehenge, gilt es zu finden und anschließend auf allen Vieren um einen Stein mit Holz, Wasser und Sand aus Dänemark zu laufen. Der Weg dahin verschlingt gefühlt hundert Stunden, aber die Landschaft stimmt uns schon mal auf die nächsten Wochen ein…

Wieder auf dem Parkplatz bewundern wir ein Team mit einen alten Mercedes Bus bei ihren Startversuchen, nur um den Bus 5 Minuten nach Start um einen Baum gewickelt wieder zu sehen. Der erste Ausfall bei dieser Tour. Zum Glück ist keinem was passiert! Aber ja, so was kann immer passieren, wir klopfen auf Holz…

Die anschließende Etappe zieht sich, wie müssen uns noch an ein gemeinsames Tempo einschießen. Im Konvoi mit drei Autos sind die langen Strecken sehr ermüdend. Aber wir müssen einfach Kilometer schrubben um rechtzeitig bei den Lofoten zu sein.

Am Ende steht noch ein Fotoshooting mit einem riesigen Wackerstein an, den es zu finden gilt. Auf der Suche fahren wir einfach die 800 Meter den Hang mit unseren Motorrädern illegal die Piste hoch. Egal, wir wollen einfach etwas Abwechslung.

image

Die abschließende Suche nach einem Schlafplatz erweist sich als schwer. Kein Wunder bei 8 Zelten, die es unter zu bringen gilt. Irgendwann bekommen wir eine Nachrichte von Team Doppelbock, die einen schönen Platz gefunden haben. Die Kommunikation unter den Teams ist sehr gut und wir quälen uns um zwölf Uhr nachts weitere 50km weiter. Dafür steht dort noch ein wunderbarer T2 bus mit Zulassung in Chile!

image

Tag 1

Wie früh dieser Wecker klingelt! Aber heute gehts los. Schon beim Frühstück treffen wir weitere Teams, die sich noch ein letztes Frühstück im Hotel reinziehen. Nachdem wir alles verdrückt und das Gepäck verstaut haben gehts los zum Fischmarkt, an dem sich schnell immer mehr Teams einfinden. Ein gewusel und sehr viele Zuschauer drängen sich durch die aufgereihten Fahrzeuge. Jaguar, etliche VW- Busse, V8, alles ist hier. Vor lauter staunen verpassen Roman und ich fast unseren Start. Unsere Motorräder ziehen viele in ihren Bann, sogar ein Interview für den NDR springt dabei raus (Das gibts in der Mediathek oder nach unserer Tour hier auf der Seite).

image

Für den Start haben wir uns was tolles überlegt: blauer Glitter-Regen auf der Tribüne beim losrollen, der unsere Spender auf der Fahne so richtig in Szene setzen soll! Und soviel vorweg, die 80cm Rohre haben mächtig Eindruck geschindet!

image

Um 14 rollen wir auf die Autobahn; die ist heute noch erlaubt. Im Roadbook, unsere Bibel für die nächsten Tage steht das Ziel für heute: Kurz hinter Malmö, nach Schweden. Uff! Also nix wie los, denn unterwegs müssen noch Challenges erfüllt werden. Für die ganze Zeit der Rally muss zum Beispiel in jedem Land ein Gegenstand getauscht werden. Und da wir nur kurz in Dänemark sein werden, starten wir direkt auf dem ersten Rastplatz und tauschen unsere Büroklammer erst gegen dänisches bier und dann gegen einen block und Stift, da ist noch Luft nach oben….

image

Heute schaffen wir fast 600km, eine starke Leistung. Es ist schon zehn Uhr, aber dunkel ist es nicht. Unsere Zelte stellen wir direkt am Ostseestrand auf, was für ein Ausblick!

Zufrieden essen wir noch eine Kleinigkeit und schlafen erschöpft in unseren Schlafsäcken ein…